Vater holt Kinder aus „Ghetto-Klasse“

 

Lahnstein – Kann mein Kind in einer Klasse optimal gefördert werden, wenn zum Großteil Kinder mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen Familien in den Nachbarbänken sitzen? "Nein", urteilte jetzt ein Vater in Lahnstein und meldete seinen Nachwuchs in einer anderen Grundschule an. Die einen werfen ihm Ausländerfeindlichkeit vor. Die anderen zeigen Verständnis und sprechen hinter vorgehaltener Hand von "Ghetto-Klasse".

Die Goetheschule in Lahnstein

Norbert Schmiedel

Nicht die große Stadtpolitik bewegt und spaltet derzeit die Menschen in Lahnstein, sondern eine erste Klasse einer Grundschule. Eltern berichten: Angeblich weil zu viele Kinder mit Migrationshintergrund in der Schulklasse seiner eigenen Kinder zusammengefasst waren, hatte ein Vater versucht, seinen Nachwuchs in einer Parallelklasse unterzubringen. Das aber hat die Schule abgelehnt. Daraufhin hat der Vater seine Kinder von der Goethe-Schule ab und in einer anderen Grundschule angemeldet. Gerüchten zufolge gelte die b-Klasse der Oberlahnsteiner Schule schon seit mehreren Jahren als Problemklasse, da überdurchschnittlich viele Kinder aus ausländischen beziehungsweise sozial schwachen Familien stammten. "Haarsträubend", finden das einige Lahnsteiner. "Nachvollziehbar" andere.

Schule bezieht Stellung

Die Schule hat den Vorfall weder bestätigt noch negiert, bezieht in einem Elternbrief aber deutlich Stellung: "Es grenzt schon an Diskriminierung, wenn eine Zuteilung einer Klasse deswegen abgelehnt wird, weil sich dort zu viele Kinder mit Migrationshintergrund befinden und daher angeblich die persönliche Entwicklung der eigenen Kinder behindert wird", schreibt Schulleiter Alexander Baukloh. Die Klasseneinteilung orientiere sich unter anderem – wie in vielen anderen Schulen auch – nach Wohnorten oder Stadtteilen, damit Nachbarskinder gemeinsam zur Schule gehen können.

Für die Goethe-Schule ergibt sich dabei im Groben eine a-Klasse, die den nördlichen Bereich Oberlahnsteins vereint, eine eher südlich gelagerte c-Klasse (St. Martinssiedlung etc.) und die b-Klasse mit dem Stadtkern. Nach Recherchen weitere Eltern erlangten aus der "berüchtigten" b-Klasse nach vier Grundschuljahren im Schnitt nur 29 Prozent der Jungen und Mädchen eine Empfehlung fürs Gymnasium (die c-Klasse liege bei 44 Prozent, die a-Klasse liege dabei etwa in der Mitte von beiden).

„Ein Problem sozial schwacher Familien“

"Das Problem an der Goethe-Schule ist keines der Migration, sondern von sozial schwachen Familien", sagt ein Vater. Nach Ansicht einiger Eltern bereite sich die Schule nicht intensiv genug auf neue Schüler vor. Denn man müsse Schüler aus sozial schwachen Familien besser auf die drei Klassen verteilen, damit diese adäquat gefördert werden könnten und die anderen nicht darunter leiden müssten. Im Laufe der Schuljahre entspanne sich das "b-Klassen-Problem" meist etwas, da einige Schüler zur Förderschule wechselten.

"Unsinnige Pauschalisierungen", urteilt Alexander Baukloh. Die Goethe-Schule sei dem Auftrag und der Verpflichtung alle Kinder, egal welcher Coleur, gleichermaßen zu fordern und fördern stets mit viel Engagement nachgekommen. Zu Kindergärten pflege man regen Kontakt. Außerdem gehörten auch Kinder mit Migrationshintergrund zu den Leistungsträgern der Schule. Im Elternbrief ruft die Schulleitung dazu auf, für vorurteilsfreies Lernen einzutreten. Doch damit ist die Geschichte wohl noch nicht zu Ende. Denn einige Eltern haben sich jetzt an die Landesbeautragte für Migration und die ADD gewandt.

 

http://www.rhein-zeitung.de

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