Sarrazin verlässt Bundesbank freiwillig

Er hat Wulff selbst um seine Entlassung gebeten +++ Sarrazin: „Diese Situation hält auf Dauer keiner durch.“ +++ Necla Kelek: „Ich bedaure das sehr!“ +++ 150 Linke demonstrieren bei Buch-Vorstellung in Potsdam

 

 

Thilo Sarrazin (65) stellt in Potsdam sein umstrittenes Buch „Deutschland schafft sich ab“ (überall ausverkauft) vor.

Und während er im „Nikolaisaal“ spricht, macht eine andere Meldung Furore: Sarrazin verlässt den Bundesbank-Vorstand freiwillig – schon zum Ende des Monats!

Er hat Bundespräsident Christian Wulff selbst darum gebeten, ihn von seinem Amt zu entbinden.

Das Statement der Bundesbank: „Mit Blick auf die öffentliche Diskussion werden die Beteiligten ihre Zusammenarbeit zum Monatsende einvernehmlich beenden.”

 

LANGE KEIN WORT DAVON WÄHREND SARRAZINS LESUNG!

Erst will er dazu keine Stellung nehmen, dann antwortet Sarrazin doch:

„Der Bundesbank-Vorstand hält die gegen mich erhobenen Anwürfe, ich hätte mich gegenüber Ausländern diskriminierend geäußert nicht aufrecht, sondern zieht sie zurück. Zweitens: Der Bundesbank-Vorstand hat beim Bundespräsidenten seinen Antrag, mich aus dem Amt zu entlassen, zurück gezogen. Drittens: Ich habe den Bundespräsidenten gebeten, mich zum 30. September von meinem Amt zu entbinden.“

Potsdam, 20.07 Uhr: Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin liest aus „Deutschland schafft sich ab“. 700 zahlende Gäste (Eintritt 9 Euro) sind gekommen, um ihn im „Nikolaisaal“ zu hören.

Alarmbereitschaft bei der Polizei. Vor dem Veranstaltungsort demonstrieren ca. 150 Linke. Auf ihren Plakaten steht: „Deutschland schafft sich ab – endlich!“ oder „Sarrazin schafft sich ab“.

BILD.de berichtet live.

19.45 Uhr fährt Sarrazins Wagen vor – mit Blaulicht. Der Autor nimmt den Hintereingang, als die Polizei absperren will, kommt es zu ersten Tumulten. Strenge Sicherheitsvorkehrungen im Saal: Zwölf Sicherheitsleute sperren die Bühne ab, auf der Sarrazin spricht. Sein erstes Anliegen: Er will sich erklären, will die Frage beantworten, die ihm so oft gestellt wurde: „Warum machst Du das?“

Sarrazin antwortet mit seiner Biographie. „Wenn man so lange dem Staat dient, bleibt nicht aus, dass man ihn liebt“, sagt der Ex-Finanzsenator von Berlin. Und fügt für seine Kritiker hinzu: „Illoyal war ich nie, unabhängig war ich zu jeder Zeit.“

TOSENDER APPLAUS!

Ralf Schuler, Politik-Chef der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ (MAZ), die die Lesung mit ausrichtet, stellt Sarrazin vor. Entspannt antwortet der Autor, plaudert mit Schuler. Sarrazin über …

• … seine Familie: „Meine Familie ist Kummer gewohnt.“

• … seine Frau Ursula: „Sie hat mich mein Leben lang gebremst nach dem Motto: Muss das denn jetzt schon wieder sein!“

• … seine Karriere: „Ich gehöre nicht zu den Besten meines Faches.“

• … seinen möglichen Partei-Ausschluss: „Ich finde auf den 460 Seiten nichts, was zu den Grundwerten der Sozialdemokratie in Widerspruch steht. Niemand wird dort etwas finden.

• … die Gründung einer eigenen Partei: „Wichtige Diskussionen müssen in den Volksparteien geführt werden.“

• … seinen Rückzug aus dem Bundesbank-Vorstand: „Das war für mich nicht einfach. Ich habe letztlich überlegt, ob ich es mir leisten kann, mich mit der gesamten politischen Klasse in Deutschland anzulegen (…). Und ich habe mir gesagt: Diese Situation hält auf Dauer keiner durch. Das muss ich ehrlich sagen.“

Die Soziologin Necla Kelek, die Sarrazins Buch in Berlin vorgestellt hatte, zu BILD: „Ich bedauere das sehr – für die Bundesbank, die einen guten Vorstand verliert! Die Entscheidung von Thilo Sarrazin kann ich jedoch sehr gut verstehen – bei all dem, was über ihn hereingebrochen ist.”

SARRAZIN SPALTET DEUTSCHLAND

Der Veranstalter der Lesung, das Brandenburgische Literaturbüro, stand vorab heftig unter Druck. Die hitzige Debatte über Sarrazins Thesen über Migranten, sozial Schwache und Integration spaltete die Nation, führte sogar zu einer Morddrohung auf Facebook.

Aber nicht nur der Autor selbst wird bedroht, auch Buchhandlungen, in denen Sarrazin Lesungen halten wollte. In Hildesheim sagte ein Buchhändler die Veranstaltung ab, obwohl 200 Gäste erwartet wurden – aus Sorge um die Sicherheit.

Das Hildesheimer „Bündnis gegen Rechts“ wollte vor der Buchhandlung protestieren. Ein Mitarbeiter: „Es gab E-Mails empörter Kunden, die damit drohten, wegen der Lesung nicht mehr bei uns einzukaufen.“

Nach dem Rückzieher aus Hildesheim lud auch das Berliner „Haus der Kulturen“ Sarrazin aus. Jetzt wird in Berlin nach einem neuen Ort für eine Lesung gesucht.

Das Literaturhaus in München plant derweil, die Lesung Ende September in eine Diskussionsrunde umzuwandeln.

 

Quelle:  Bild.de

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